Hochzeit finanzieren: Budget, Kredit und clevere Tipps

Gedeckte Hochzeitstafel mit Blumen im Freien

Eine Hochzeit mit 60 Gästen kostet in Deutschland im Schnitt rund 13.000 Euro, bei einer größeren Hochzeit eher 17.000. Location, Catering und Outfits belasten das Budget am stärksten. Wer die Kosten früh sortiert und beim Planen konsequent bleibt, hat mehr Spielraum zum Sparen, als die Zahlen vermuten lassen; nützliche hilfreiche Tipps zur Finanzierung helfen dabei, wenn am Ende doch eine Lücke bleibt.

Dieser Ratgeber geht der Reihe nach durch: erst das Budget für die Hochzeit planen, dann sparen, dann finanzieren.

Das Budget aufstellen, bevor Sie buchen

Der häufigste Fehler beim Planen einer Hochzeit ist die Reihenfolge. Viele Paare buchen zuerst die Location und rechnen danach. Umgekehrt funktioniert es besser.

Legen Sie zuerst das Gesamtbudget fest, das Sie für die Hochzeit ausgeben wollen. Verteilen Sie dieses Budget dann nach folgendem Schlüssel, der sich in der Praxis bewährt hat:

Posten Anteil am Budget Bei 13.000 €
Location und Catering 40 bis 50 % 5.200 bis 6.500 €
Fotograf und Video 10 bis 15 % 1.300 bis 2.000 €
Outfits für Braut und Bräutigam 8 bis 12 % 1.050 bis 1.560 €
Dekoration und Blumen 8 bis 10 % 1.050 bis 1.300 €
Musik oder DJ 5 bis 8 % 650 bis 1.050 €
Ringe 5 bis 8 % 650 bis 1.050 €
Papeterie und Einladungen 2 bis 4 % 260 bis 520 €
Puffer für Unvorhergesehenes 10 % 1.300 €

Location und Catering machen fast die Hälfte der Kosten aus. Dort liegt beim Sparen der größte Hebel.

Der Puffer in der letzten Zeile ist kein Luxus. Bei praktisch jeder Hochzeit kommen Kosten dazu, an die beim Planen niemand gedacht hat: Übernachtung für auswärtige Gäste, Trinkgelder, Korkgeld, Reinigungspauschalen, Gebühren für den Standesamtstermin am Samstag.

Führen Sie eine einfache Liste mit drei Spalten: geplant, beauftragt, bezahlt. Damit sehen Sie jederzeit, wie viel Geld vom Budget noch frei ist.

Wo Sie am meisten sparen

Nicht jeder Posten eignet sich gleich gut zum Sparen. Diese sechs bringen bei einer Hochzeit am meisten Geld, ohne dass die Feier darunter leidet:

Die Gästezahl. Der mit Abstand größte Hebel beim Sparen. Jeder Gast kostet zwischen 80 und 150 Euro für Essen, Getränke, Sitzplatz und Papeterie. Zwanzig Gäste weniger sparen 1.600 bis 3.000 Euro. Kein anderer Punkt im Budget bewegt so viel Geld.

Der Termin. Eine Hochzeit im März, November oder Januar ist bei Location und Dienstleistern 20 bis 30 Prozent günstiger als eine im Juni oder September. Ein Freitag statt eines Samstags macht die Feier noch einmal um 10 bis 20 Prozent günstiger. In Ferienzeiten und an Feiertagen verdoppeln sich die Kosten dagegen.

Die Uhrzeit. Eine Trauung am Nachmittag mit anschließendem Abendessen ist günstiger als ein Ganztagsprogramm mit Mittagessen, Kaffee und Kuchen sowie Abendbuffet.

Getränke selbst stellen. Wo die Location es erlaubt, spart der eigene Einkauf 30 bis 50 Prozent gegenüber der Getränkepauschale. Rechnen Sie das Korkgeld dagegen.

Dekoration saisonal wählen. Pfingstrosen im Winter kosten das Dreifache. Wer bei Blumen und Dekoration mit dem arbeitet, was gerade wächst, halbiert diesen Posten im Budget.

Papeterie digital. Save-the-Date per E-Mail, gedruckte Einladung nur für die Gäste, die keine E-Mail nutzen. Spart 200 bis 400 Euro.

Der erste Punkt ist emotional der schwierigste und beim Sparen der wirksamste. Eine Hochzeit mit 40 Gästen ist nicht die halbe Feier von 80, sondern oft die persönlichere.

Ansparen statt finanzieren

Die günstigste Hochzeit ist die, für die kein Kredit nötig ist. Bei einer Verlobungszeit von 12 bis 18 Monaten lässt sich das nötige Geld realistisch ansparen.

Beim Planen rechnen Sie rückwärts: das Budget geteilt durch die Monate bis zum Termin ergibt die monatliche Sparrate.

  • 13.000 Euro in 18 Monaten: 722 Euro monatlich
  • 13.000 Euro in 24 Monaten: 542 Euro monatlich
  • 8.000 Euro in 18 Monaten: 445 Euro monatlich

Richten Sie dafür ein separates Tagesgeldkonto ein und einen Dauerauftrag am Tag nach dem Gehaltseingang. Geld, das auf dem Girokonto liegt, wird ausgegeben statt gespart.

Zwei Einnahmequellen kommen hinzu, die viele nicht einplanen:

Geldgeschenke. Bei einer Hochzeit in Deutschland liegen sie im Schnitt zwischen 50 und 150 Euro pro Gast. Bei 60 Gästen sind das 3.000 bis 9.000 Euro. Dieses Geld kommt allerdings erst am Tag selbst und deckt nur Kosten, die danach fällig werden.

Der Steuervorteil. Nach der Heirat lässt sich die Steuerklassenkombination ändern. Bei unterschiedlichen Einkommen bringt das monatlich 100 bis 400 Euro mehr netto. Das hilft allerdings erst nach der Hochzeit.

Wann ein Kredit sinnvoll ist

Wenn Termin und Budget nicht zusammenpassen, bleibt die Finanzierung der Hochzeit über einen Kredit. Ein Hochzeitskredit ist ein gewöhnlicher Ratenkredit ohne Zweckbindung, mit effektiven Jahreszinsen zwischen 6 und 9 Prozent.

Für eine Hochzeit gelten diese Grenzen:

  • Laufzeit höchstens 48 Monate. Alles darüber macht die Hochzeit deutlich teurer und belastet die ersten Ehejahre.
  • Rate höchstens die Hälfte des monatlichen Überschusses. Der Rest bleibt Puffer.
  • Kostenlose Sondertilgung vereinbaren. Damit fließen die Geldgeschenke direkt in die Rückzahlung.
  • Keine Restschuldversicherung. Sie kostet oft mehr als die Zinsen selbst.
  • Konditionenanfrage statt Kreditanfrage beim Vergleich, weil nur sie schufaneutral ist.

Rechnen Sie außerdem, was das über die Zeit bedeutet. Bei 8.000 Euro über 36 Monate zahlen Sie rund 246 Euro monatlich und etwa 870 Euro Zinsen. Über 84 Monate ist die Rate günstiger, nämlich 118 Euro, dafür kostet das Geld 2.500 Euro Zinsen.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Ein laufender Kredit senkt den Spielraum bei einer späteren Baufinanzierung deutlich. Wenn in den nächsten zwei Jahren ein Immobilienkauf ansteht, ist Warten die bessere Entscheidung.

Die typischen Kostenfallen

Diese Kosten tauchen in fast jeder Abrechnung auf und stehen in keinem ersten Angebot:

  • Korkgeld, 5 bis 15 Euro pro Flasche, wenn Sie eigene Getränke mitbringen
  • Überstunden für Personal, wenn die Feier länger dauert als vereinbart
  • Reinigungspauschale der Location, 150 bis 500 Euro
  • Anfahrt und Übernachtung für Dienstleister bei größerer Entfernung
  • Trinkgelder, üblich 5 bis 10 Prozent der jeweiligen Rechnung
  • Standesamtsgebühren außerhalb der regulären Zeiten, oft 100 bis 300 Euro zusätzlich

Fragen Sie bei jedem Angebot ausdrücklich nach den Gesamtkosten inklusive aller Nebenposten und lassen Sie sich das schriftlich geben.

Wie viele Paare in Deutschland überhaupt heiraten und wie sich die Zahlen entwickeln, zeigt die Statistik zu Eheschließungen des Statistischen Bundesamtes. Rund 360.000 Hochzeiten pro Jahr bedeuten einen Markt, in dem Dienstleister ihre Preise gut durchsetzen können.

Bei den einzelnen Gewerken hilft es, die üblichen Preise zu kennen. Wer weiß, was ein Hochzeitsfotograf kostet oder mit welchen Kosten für einen Trauredner zu rechnen ist, erkennt ein überteuertes Angebot sofort.

Kurz zusammengefasst

  • Legen Sie beim Planen zuerst das Budget fest, dann verteilen Sie es, dann buchen Sie.
  • Location und Catering machen 40 bis 50 Prozent aus, dort liegt der größte Hebel.
  • Die Gästezahl ist der stärkste einzelne Kostenfaktor der Hochzeit: 80 bis 150 Euro pro Person.
  • Ein Termin außerhalb der Hauptsaison ist 20 bis 30 Prozent günstiger.
  • Planen Sie 10 Prozent Puffer ein, denn Nebenkosten kommen bei jeder Hochzeit dazu.
  • Wenn ein Kredit nötig ist: kurze Laufzeit, Sondertilgung, keine Restschuldversicherung.

Was Gäste üblicherweise schenken, lässt sich übrigens ganz gut abschätzen. Der Überblick dazu, wie viel Geld man zur Hochzeit schenkt, hilft bei der Kalkulation, sollte aber nie die Grundlage der Planung sein. Rechnen Sie ohne die Geschenke und behandeln Sie sie als Bonus.

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