Mit offenen Augen in die Ehe zu gehen, schließt für einen Großteil der zukünftigen Ehepaare ebenfalls Gespräche über die sexuelle Vergangenheit ein. Ist dieses Thema zuvor kaum zur Rede gekommen, wird der Start des Gesprächs oftmals von Scham überschattet.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Vorteile mit diesen Gesprächen verknüpft sind und wie es gelingt, respektvolle Rahmenbedingungen zu gestalten.
Der Start ins Eheleben benötigt übereinstimmende Erwartungen
Eine Ehe zu schließen bedeutet, einen gemeinsamen Lebensweg zu beschreiten. Für eine erfüllende Ehe bedarf es zweier Menschen, die gemeinsame Werte und Vorstellungen von der Gestaltung des Ehelebens teilen. Im Idealfall beginnt die Auseinandersetzung mit den gegenseitigen Erwartungen bereits einige Zeit vor dem Ja-Wort.
Neben Themen wie dem Kinderwunsch oder dem finanziellen Aspekt einer gesetzlich anerkannten Partnerschaft spielt ebenfalls die Intimität als Facette einer Ehe eine nicht unerhebliche Rolle in der Planung einer gemeinsamen Zukunft.
Mehr über die sexuelle Vergangenheit des baldigen Ehepartners in Erfahrung zu bringen, gewährt einen Einblick in Zeiten, deren Erfahrungen das heutige Weltbild und die Werte des Partners prägen. Zeitgleich ist das Teilen der eigenen Vergangenheit ein Vertrauensbeweis, der untermauert, wie viel Hoffnung und Wertschätzung mit der aktuellen Partnerschaft verbunden sind.
Tabuthemen sind Bestandteil einer offenen Kommunikation
In einem Gespräch über die sexuellen Ereignisse aus der Vergangenheit kommen mitunter auch Tabuthemen zur Sprache. Grundsätzlich ist es von Wert, auch diese Themen offen anzusprechen, wenn die Möglichkeit besteht, dass später auftauchende Informationen aus dem Vorleben eventuell als Vertrauensbruch gewertet werden.
Vier häufige Tabu-Themen bestehen aus:
Käufliche Liebe
Ein Tabuthema, welches in einigen Fällen gezielt zur Sprache kommt, sind eventuelle Erfahrungen mit käuflicher Liebe. Sogar im toleranten Berlin gilt für künftige Eheleute: Sexuelle Kontakte mit einem Escort Berlin oder anderen Sexworkern offenzulegen, ist ein Drahtseilakt und verdeutlicht, dass die wertfreie Kommunikation teilweise mehr Selbstdisziplin erfordert als bei anderen Themen.
Fühlt sich diese Information wie eine Grenzüberschreitung an, ist es wichtig, die eigene Sichtweise darzulegen, ohne durch verletende Worte die Gesprächsbasis zu erschweren.
Pornografie
Die Meinungen zum Thema Pornografie weisen ein ebenso hohes Spektrum auf wie zur Interpretation des Begriffs Treue. Bilder oder Videos auf dem Handy oder Computer des Partners zu entdecken, ist für einige Menschen komplett unproblematisch und lässt bei anderen Zweifel am Wert der Beziehung entstehen.
Der offene Umgang mit dem Konsum von pornografischen Materialien in der Vergangenheit ebenso wie die heutige Einstellung geben Aufschluss darüber, ob dieses Tabuthema zukünftiges Konfliktpotenzial bereithält oder nicht.
One-Night-Stands
Sexuelle Kontakte im Rahmen eines One-Night-Stands oder auch Freundschaften plus sind Anzeichen für eine strikte Trennung von Sex und Gefühlen. Diese Trennung können einige Menschen sehr gut und andere überhaupt nicht nachvollziehen.
Hilfreich ist es bei diesem Tabuthema, den Zeitraum nicht außer Acht zu lassen. In jungen Jahren ist das Experimentieren mit der eigenen Sexualität deutlich ausgeprägter und kein Anzeichen dafür, nicht in der Lage zu sein, Erfüllung in der Sexualität innerhalb einer Partnerschaft und Ehe zu finden.
Worte gewähren Spielraum für unterschiedliche Interpretationen
Die Dringlichkeit dieser Gespräche vor der Eheschließung zeigt sich spätestens, wenn die Auslegung von Begriffen wie Treue oder Loyalität dem Partner gegenüber deutlich voneinander abweicht. Einige Menschen sehen das Flirten mit Kollegen am Arbeitsplatz oder Fremden im Alltag als harmlosen Zeitvertreib an. Für andere Menschen kann eine solche Beobachtung die Überschreitung einer Grenze zur Untreue darstellen.
Die Kommunikation ebnet den Weg, um diese Grenzen abzustecken und zukünftige emotionale Verletzungen des Partners zu vermeiden.
Konfliktpotenziale in Bezug auf die Loyalität zeigen sich in den letzten Jahren verstärkt im digitalen Alltag, etwa bei der Verwendung von sozialen Medien oder Flirt-Apps. Im Vorfeld zu besprechen, welche Erwartungen im Kontext der Ehe bestehen, reduziert das Risiko, Stolperfallen für das eigene Eheglück zu platzieren.
Die Thematisierung dieser alltäglichen Definitionen von Ehe, Treue und Loyalität erlaubt es beiden Partnern, nicht nur sprichwörtlich die gleiche Sprache zu sprechen. Wissen beide Personen, welche Bedeutungen mit diesen Worten verbunden sind, besteht augenblicklich mehr Klarheit darüber, ob die zukünftigen Lebenswege miteinander kompatibel sind oder nicht.
Vor dem Gespräch Grundregeln vereinbaren
Fairness ist ein Wort, welches nicht nur für den Sport, sondern auch für Gespräche über das sexuelle Leben vor dem Beginn der aktuellen Beziehung gilt. Den Partner mit einem Gespräch zu überrumpeln, ist ein Rezept, um Misstrauen über die eigenen Absichten zu säen.
Wem es wichtig ist, die Übereinstimmung der Werte auf diesem Gebiet zu überprüfen, sollte die folgenden Grundregeln beherzigen.
Den richtigen Zeitpunkt finden
Intime Themen anzusprechen und die Basis für eine offene Kommunikation zu legen, erfordert einen ruhigen Moment, der nicht von Zeitdruck begleitet wird. Oftmals haben Menschen das Gefühl, sich erklären zu wollen, um ein tieferes Verständnis für die Umstände bestimmter Entscheidungen zu gewähren.
Infolgedessen ist es von Vorteil, einen Tag auszuwählen, der nicht bereits mit Terminen verplant ist. Der flexible Zeitrahmen ermöglicht es, Pausen einzulegen und dem Partner bei Bedarf die Option zu geben, zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Thema zurückzukehren.
Themen im Vorfeld festlegen
Beziehungen, in denen frühere Partnerschaften oder intime Kontakte mit anderen Menschen keine Rolle gespielt haben, profitieren davon, vorab festzulegen, welche Themen zur Sprache kommen sollen.
Kategorien festzulegen und sich somit auf Gesprächsthemen zu einigen, kann dazu beitragen, Kommunikationshürden abzubauen, die nicht selten auf Scham oder Angst vor Zurückweisung beruhen.
Wertfreie Sprache wählen
Gespräche über die sexuelle Vergangenheit sind als Vertrauensbeweise zu bewerten. Durch die Offenbarung intimer Details wird aktiv ein Vertrauensvorschuss gewährt.
Aus Respekt vor dieser Reise in die Vergangenheit des Partners führt der erste Schritt dazu, Fragen auf ein Minimum zu reduzieren und eine wertfreie Sprache zu verwenden. Auf diese Weise hat der Gesprächspartner die Möglichkeit, ohne zu viele Unterbrechungen seine Sichtweise auf damalige Entscheidungen darzulegen.
Die wertfreie Kommunikation ohne ein vorschnell gefälltes Gesamturteil bildet zudem einen Raum, in dem sich die Gelegenheit ergibt, Zukunftspläne für die Intimität des Ehelebens zu schmieden.
Offene Beziehungen
Offene Beziehungen oder die gleichzeitige Beziehung zu mehreren Partnern und das Konzept der Ehe miteinander in Einklang zu bringen, stellen heute grundsätzlich kein Tabu mehr dar.
Entscheiden sich alle Beteiligten aus freien Stücken für diese Interpretation von Treue, Intimität und Beziehungsgefügen, wird die Ehe dennoch mit einem gemeinschaftlichen Blick auf die Zukunft eingegangen.
Empathie ist der Schlüssel für ein besseres Verständnis
Der Start in die offene Kommunikation über die sexuelle Vergangenheit komplettiert für zahlreiche Menschen das Bild, welches sie von ihrem Partner gewonnen haben. Häufig ist eine Entwicklung zu beobachten, die den Weg verdeutlicht, der zur heutigen Version dieses Menschen beigetragen hat.
Empathie unter Beweis zu stellen und sich an einer wertfreien Unterhaltung zu beteiligen, ist ein entscheidender Schritt, um Grenzen zu setzen, gemeinsame Werte zu leben und eine glückliche Ehe zu führen.

